Was kostet CNC-Fräsen und Drehen? Orientierung 2026
Silas Werger · Autor · Stand:
Was kostet CNC-Fräsen und Drehen? Orientierung 2026
Kurz gesagt: CNC-Fräsen und Drehen werden über Maschinenzeit mal Stundensatz kalkuliert. Den Stückpreis bestimmen vor allem die Einmalkosten für Rüsten und Programmieren, die Losgröße, der Maschinentyp, der Werkstoff und die Toleranzen. Mit dem Rechenweg und der Vergleichscheckliste in diesem Beitrag legen Sie Angebote auf gleicher Basis nebeneinander; Stundensätze aus öffentlichen Quellen sind nur eine grobe Orientierung.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag erscheint auf zuliefererverbund.de, einem Verzeichnis der JMVision GmbH, Balingen. Der Autor schreibt für Zuliefererverbund; Hinweise auf das Verzeichnis sind entsprechend einzuordnen.
Was bestimmt den Preis eines Dreh- oder Frästeils?
Der Preis ergibt sich aus Maschinenzeit mal Stundensatz, den einmaligen Kosten für Rüsten und Programmieren sowie dem Material. Hinzu kommen Aufschläge für enge Toleranzen, schwer zerspanbare Werkstoffe, Oberflächenbehandlung und Prüfaufwand.
Definition: Der Maschinenstundensatz ist der Betrag, den ein Fertigungsbetrieb für eine Stunde Laufzeit einer bestimmten Maschine verrechnet. Er umfasst Abschreibung, kalkulatorische Zinsen, Raum-, Energie- und Instandhaltungskosten. Der Verrechnungssatz im Angebot enthält zusätzlich Personal, Gemeinkosten und Gewinn und liegt deshalb deutlich höher.
Die wichtigsten Preistreiber:
- Bearbeitungszeit: Komplexe Konturen, viele Aufspannungen und tiefe Taschen verlängern die Laufzeit. Eine 5-Achs-Maschine hat einen höheren Stundensatz, spart aber oft Umspannzeit.
- Toleranzen: Als Allgemeintoleranz üblich ist ISO 2768-m, das entspricht ±0,3 mm bei Nennmaßen über 30 bis 120 mm (siehe Anfrage an Lohnfertiger). Engere Toleranzen wie ±0,1 mm können bereits Aufschlag kosten; für ±0,01 mm nennt clean-invoice.com (Februar 2026) Mehrkosten von 50 bis 100 %. Der Grund ist meist ein zusätzlicher Arbeitsgang: Maßtoleranzen dieser Größenordnung erreicht man üblicherweise durch Feindrehen oder Schleifen. Läppen kommt eher bei besonderen Anforderungen an Form und Oberfläche hinzu.
- Werkstoff: Dieselbe Quelle nennt für Edelstahl und Titan Aufschläge von 30 bis 80 % gegenüber leichter zerspanbaren Werkstoffen wie Aluminium.
- Rüsten und Programmieren: Spannmittel einrichten, Werkzeuge vermessen, CAM-Programm erstellen, Erstteil prüfen. Diese Kosten fallen pro Auftrag an, nicht pro Teil.
- Nachbearbeitung: Entgraten, Härten, Beschichten oder Eloxieren werden oft extern vergeben und als Fremdleistung weiterberechnet.
- Prüfung und Dokumentation: Erstmusterprüfbericht, Messprotokolle und Werkstoffzeugnisse kosten Messzeit.
Welche Maschinenstundensätze sind in Deutschland üblich?
Für CNC-Drehen nennt ein einzelner Branchenratgeber 60 bis 120 € pro Stunde, für 3-Achs-Fräsen 70 bis 120 € und für 5-Achs-Fräsen 100 bis 160 € (clean-invoice.com, Februar 2026). Die Tabelle beruht damit auf einer einzigen Quelle und ist eine Orientierung, keine Marktstatistik.
| Leistung | Richtwert | Art des Werts | Quelle |
|---|---|---|---|
| CNC-Drehen | 60 bis 120 € pro Stunde | Verrechnungssatz inkl. Arbeit | clean-invoice.com, Februar 2026 |
| CNC-Fräsen (3-Achs) | 70 bis 120 € pro Stunde | Verrechnungssatz inkl. Arbeit | clean-invoice.com, Februar 2026 |
| CNC-Fräsen (5-Achs) | 100 bis 160 € pro Stunde | Verrechnungssatz inkl. Arbeit | clean-invoice.com, Februar 2026 |
| Rundschleifen | 65 bis 110 € pro Stunde | Verrechnungssatz inkl. Arbeit | clean-invoice.com, Februar 2026 |
| Reine Maschinenkosten einer CNC-Fräse | 17,88 € pro Stunde | Rechenbeispiel ohne Personal | WHK Controlling, abgerufen November 2026 |
Die Quelle weist auf regionale Unterschiede von ±20 % hin (clean-invoice.com, Februar 2026). Das Rechenbeispiel von WHK Controlling zeigt die Lücke zwischen Maschinenkosten und Angebotssatz: Eine Fräse mit 120.000 € Wiederbeschaffungswert, 8 Jahren Nutzungsdauer und 1.600 Laufstunden pro Jahr kommt dort auf 17,88 € pro Stunde (WHK Controlling, abgerufen November 2026). Bediener, Programmierer, Qualitätssicherung, Verwaltung und Marge sind darin nicht enthalten.
Ein niedriger Stundensatz im Angebot ist deshalb kein Beleg für ein günstiges Teil. Es kommt darauf an, wie viele Stunden der Anbieter ansetzt und wie er Rüsten, Material und Prüfung berechnet. Anbieter finden Sie unter CNC-Zerspanung und 5-Achs-Bearbeitung.
Wie wirkt die Losgröße auf den Preis?
Die Losgröße wirkt vor allem über die Einmalkosten: Sie fallen pro Auftrag an und verteilen sich auf alle Teile des Loses. Wie hoch diese Einmalkosten sind, hängt davon ab, ob das Teil neu ist.
clean-invoice.com (Februar 2026) nennt für Feinwerkmechanik Rüstkosten von 30 bis 90 € und rechnet eine Präzisionswelle aus Edelstahl als Einzelstück vor: Drehen 135 €, Rundschleifen 95 €, Material 18 €, Rüstkosten 45 €, zusammen ca. 293 €. Eine eigene Position für Programmierung weist das Beispiel nicht aus. Bei einem neuen Teil kommen CAM-Programmierung und Erstteilmessung hinzu; deshalb setzt das folgende Beispiel einen deutlich höheren Einmalaufwand an. Fragen Sie im Angebot Rüsten und Programmieren getrennt ab.
Beispielrechnung mit frei gewählten Annahmen (keine Marktdaten): Ein neues Drehteil, Stundensatz 90 €, einmalig 3 Stunden für Programmieren, Rüsten und Erstteilprüfung, 6 Minuten Bearbeitungszeit und 4 € Material je Teil. Einmalkosten: 270 €. Kosten je Teil ohne Einmalkosten: 9 € Maschinenzeit plus 4 € Material, also 13 €. Zum Vergleich dasselbe Teil auf einem Langdrehautomaten, ebenfalls mit frei gewählten Annahmen bei gleichem Stundensatz und Material: 8 Stunden Einrichten (720 €) und 2 Minuten Zykluszeit (3 €), also 7 € je Teil ohne Einmalkosten.
| Losgröße (Annahme) | Einmalkosten je Teil (Universal) | Stückkosten Universaldrehen (Annahme) | Stückkosten Langdreher (Annahme) |
|---|---|---|---|
| 1 Stück | 270,00 € | 283,00 € | 727,00 € |
| 10 Stück | 27,00 € | 40,00 € | 79,00 € |
| 100 Stück | 2,70 € | 15,70 € | 14,20 € |
| 1.000 Stück | 0,27 € | 13,27 € | 7,72 € |
Mit diesen Annahmen kippt der Vergleich bei rund 75 Stück: (720 − 270) / (13 − 7) = 75. Darunter ist die Universalmaschine günstiger, darüber der Langdreher. Der gleiche Stundensatz für beide Maschinen ist eine Vereinfachung: Weil der Langdreher bedienerarm läuft, kann sein Satz je Laufstunde niedriger liegen, und die Schwelle rückt dann weiter nach unten.
Zwischen Einzelteil und kleinem Los fällt der Stückpreis stark, ab einigen hundert Teilen kaum noch. Ab dort bestimmen Zykluszeit und Material den Preis. Bei Wiederholaufträgen mit vorhandenem Programm sinken die Einmalkosten auf das reine Rüsten; wie sich das über mehrere Abrufe rechnet, zeigt Mindestbestellmenge und Losgröße.
Warum sind Langdreh-Serien eine eigene Kostenklasse?
Drehteile in größeren Serien laufen oft auf Langdrehautomaten mit Stangenlader, und dort gilt eine andere Rechnung als auf dem Universaldrehzentrum. Das Einrichten ist aufwendiger, dafür laufen die Maschinen nach dem Rüsten weitgehend selbstständig von der Stange, auch in bedienerarmen Schichten.
Für Sie als Einkäufer hat das drei Folgen. Erstens lohnt sich der Rüstaufwand erst ab einer gewissen Losgröße; kleine Mengen sind auf dem Langdreher oft teurer als auf einer Universalmaschine. Zweitens sinkt der Bedieneranteil je Teil, sodass der Stückpreis stärker von Zykluszeit und Stangenmaterial abhängt. Drittens eignen sich vor allem schlanke, rotationssymmetrische Teile mit kleinem Durchmesser. Fragen Sie bei hohen Jahresmengen gezielt nach Betrieben mit Langdrehtechnik, etwa unter Feinmechanik, und nennen Sie Jahresbedarf und Abrufrhythmus, damit der Anbieter das passende Maschinenkonzept wählt.
Wie vergleichen Sie Angebote auf gleicher Basis?
Angebote sind nur vergleichbar, wenn alle Anbieter dieselben Unterlagen erhalten und Sie die Preisbestandteile getrennt betrachten. Welche Angaben in eine vollständige Anfrage gehören, beschreibt Anfrage an Lohnfertiger: Diese 9 Angaben brauchen Sie.
- Gleiche Datenbasis: Dasselbe STEP-Modell und dieselbe Zeichnung mit Revisionsstand an alle.
- Menge und Abruf: Losgröße, Jahresbedarf und Abrufrhythmus, damit alle mit denselben Rüstzyklen rechnen.
- Einmalkosten getrennt: Rüsten, Programmierung, Vorrichtungen und Erstmuster als eigene Positionen.
- Zeitansatz offenlegen lassen: Fragen Sie nach Zykluszeit je Teil und Maschinentyp; so erkennen Sie, ob ein Preisunterschied aus Stundensatz oder Zeitansatz kommt.
- Material: Steckt es im Stückpreis, welche Güte ist angesetzt, ist ein Werkstoffzeugnis enthalten?
- Toleranzen und Prüfumfang: Lesen alle die Zeichnung gleich, welcher Messbericht ist enthalten?
- Oberfläche und Nachbearbeitung: Bei allen einschließen oder bei allen ausschließen.
- Verpackung, Fracht, Lieferbedingung: Gleiche Incoterms und Verpackungsvorgaben.
- Preisbasis: Netto oder brutto, Mindestauftragswert und Materialteuerungszuschlag; bei Kleinmengen bestimmen sie den Endpreis oft stärker als der Stundensatz.
- Rückfragen dokumentieren: Schlägt ein Anbieter eine Abweichung vor, geht die Information an alle.
Wann lohnt ein anderes Verfahren?
Wenn die Stückzahl deutlich steigt oder ein Großteil des Rohmaterials als Span endet, kann ein anderes Verfahren günstiger sein, etwa Spritzguss für Kunststoffteile oder ein Gussrohling mit bearbeiteten Funktionsflächen. Die Schwelle hängt stark von Geometrie und Werkzeugkosten ab; fragen Sie im Zweifel parallel bei Spritzguss oder einer Gießerei an.
Wie senken Sie die Kosten, ohne Qualität zu verlieren?
Die größten Hebel liegen in Zeichnung und Bestellmenge, nicht im Nachverhandeln des Stundensatzes.
- Toleranzen funktionsgerecht: Enge Toleranzen nur an Passungen und Funktionsflächen, sonst Allgemeintoleranz.
- CAD-Daten mitliefern: Ein sauberes 3D-Modell spart laut clean-invoice.com (Februar 2026) Programmierkosten.
- Werkstoff prüfen: Wo die Funktion es zulässt, verkürzt ein gut zerspanbarer Werkstoff die Laufzeit.
- Lose bündeln: Rahmenaufträge mit Abrufen verteilen Einmalkosten auf größere Mengen.
- Standardgeometrien: Übliche Radien, Gewinde und Bohrungsdurchmesser vermeiden Sonderwerkzeuge.
- Aufspannungen reduzieren: Weniger Aufspannungen sparen Rüstzeit.
Wie kommen Sie an vergleichbare Angebote über Zuliefererverbund?
Zuliefererverbund ist ein Verzeichnis für industrielle Fertigungsbetriebe, betrieben von der JMVision GmbH in Balingen. Die Anfrage mit Beschreibung oder Zeichnung stellen Sie über das Formular; sie geht an maximal drei passende Betriebe, Rückmeldungen kommen direkt vom Betrieb. Anfragen sind kostenlos, eine Vermittlungsprovision gibt es nicht. Mit der Checkliste oben vergleichen Sie die Rückläufe auf gleicher Basis. Eigene Preisdaten aus Anfragen veröffentlicht die Plattform bisher nicht. Weitere Suchwege beschreibt der Leitfaden Lohnfertiger finden, einen Überblick gibt die Kategorie Zerspanung.
Häufige Fragen
Was kostet eine Stunde CNC-Fräsen? Ein Branchenratgeber von clean-invoice.com (Februar 2026) nennt für Deutschland 70 bis 120 € pro Stunde für 3-Achs-Fräsen und 100 bis 160 € für 5-Achs-Fräsen, jeweils inklusive Arbeit. Das ist eine einzelne Quelle und keine Marktstatistik. Verbindlich ist nur das Angebot zu Ihrer Zeichnung.
Warum ist ein einzelnes Frästeil so teuer? Rüsten, Programmieren und Erstteilprüfung fallen einmal pro Auftrag an, egal ob Sie ein Teil oder hundert bestellen. Beim Einzelteil trägt dieses eine Teil die gesamten Einmalkosten. Mit steigender Losgröße verteilen sie sich auf mehr Teile, und der Stückpreis sinkt deutlich.
Warum unterscheiden sich Angebote für dasselbe Drehteil so stark? Weil Betriebe mit unterschiedlichen Maschinen unterschiedliche Zeiten ansetzen. Ein Langdrehautomat mit Stangenlader rechnet anders als ein Universaldrehzentrum, und mancher Anbieter verrechnet Programmierung und Erstmuster separat, ein anderer im Stückpreis. Vergleichen Sie deshalb Zeitansatz, Einmalkosten und Stückpreis getrennt.
Wie vergleiche ich Zerspanungsangebote fair? Schicken Sie allen Anbietern dieselben Unterlagen: 3D-Modell, Zeichnung mit Toleranzen, Werkstoff, Menge, Abrufrhythmus und Liefertermin. Vergleichen Sie danach Stückpreis, Einmalkosten, Prüfumfang, Oberfläche, Verpackung und Lieferbedingungen getrennt, nicht nur die Endsumme.
Angebote von bis zu drei Betrieben vergleichen: Beschreiben Sie Ihr Dreh- oder Frästeil einmal mit Zeichnung, Werkstoff, Menge und Termin. Die Anfrage geht an bis zu drei passende Zerspanungsbetriebe; eingehende Angebote legen Sie mit der Checkliste oben nebeneinander. Fertigungspartner finden und kostenlos anfragen
Silas Werger · Autor · Stand: 04.11.2026 · Recherche und Entwurf mit KI-Unterstützung, inhaltlich geprüft und verantwortet vom Autor
Häufige Fragen
Was kostet eine Stunde CNC-Fräsen?
Warum ist ein einzelnes Frästeil so teuer?
Warum unterscheiden sich Angebote für dasselbe Drehteil so stark?
Wie vergleiche ich Zerspanungsangebote fair?
Quellen
- Feinwerkmechanik Kosten 2026: Die aktuelle Preistabelle (clean-invoice.com) · 2026-02-11
- Maschinenstundensatz: Formel & Rechner (WHK Controlling) · abgerufen 2026-11-04
- Zuliefererverbund, Suche (Betriebe je Kategorie) · abgerufen 2026-11-04