Mindestbestellmenge und Losgröße: So kalkulieren Fertiger
Silas Werger · Autor · Stand:
Mindestbestellmenge, Losgröße, Rahmenvertrag: So kalkulieren Lohnfertiger
Kurz gesagt: Lohnfertiger verlangen Mindestmengen, weil Rüsten, Programmieren und Erstmusterprüfung pro Auftrag einmal anfallen und sich nur über genügend Teile verteilen. Je kleiner das Los, desto höher der Stückpreis. Ein Rahmenvertrag mit Abrufen verbindet beides, wenn er Freigabehorizonte, Restmengen und Preisanpassung klar regelt. Fehlen diese Regeln, ist Streit über Abbestellungen und Restmengen absehbar.
Für 20 Drehteile kommt ein Angebot, dessen Stückpreis weit über der Erwartung liegt, und auf Nachfrage heißt es, ab 200 Stück werde es deutlich günstiger. Dieser Beitrag erklärt die Kostenlogik dahinter, rechnet sie an einem Beispiel durch und zeigt, was in einen Rahmenvertrag gehört. Wie Sie passende Betriebe finden, beschreibt der Leitfaden Lohnfertiger finden: 5 Schritte zum Fertigungspartner.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag erscheint auf zuliefererverbund.de, einem Verzeichnis der JMVision GmbH, Balingen. Der Autor schreibt für Zuliefererverbund; Hinweise auf das Verzeichnis sind entsprechend einzuordnen.
Warum verlangen Lohnfertiger Mindestmengen?
Lohnfertiger verlangen Mindestmengen, weil ein großer Teil ihrer Kosten pro Auftrag und nicht pro Teil entsteht. Bevor das erste Gutteil von der Maschine kommt, muss jemand das Programm schreiben, Spannmittel und Werkzeuge einrichten, das erste Teil vermessen und die Maschine freigeben.
Definition: Die Losgröße ist die Anzahl gleicher Teile, die ohne erneutes Umrüsten in einem Durchgang gefertigt werden. Die Mindestbestellmenge (MOQ) ist die kleinste Menge, zu der ein Lieferant einen Auftrag annimmt oder einen bestimmten Preis zusagt. Beide hängen zusammen, sind aber nicht identisch: Ein Fertiger kann 1.000 Teile bestellt bekommen und sie in vier Losen fertigen.
Zu den Einmalkosten je Auftrag zählen Rüsten, CAM-Programmierung mit Einfahren, Erstmusterprüfung und Auftragsabwicklung. Für Feinwerkmechanik nennt clean-invoice.com (Februar 2026) Rüstkosten von 30 bis 90 €; bei komplexen Teilen mit neuer Programmierung oder Vorrichtungen liegt der Aufwand oft darüber. Die Mindestmenge schützt den Fertiger davor, die Maschine für wenige Teile stundenlang umzubauen, während ein Serienauftrag wartet.
Wie wirkt die Losgröße auf den Stückpreis?
Die Losgröße wirkt über die Verteilung der Einmalkosten: Je mehr Teile ein Los hat, desto kleiner ist der Rüstanteil je Stück. Ab einer bestimmten Menge bestimmen fast nur noch Maschinenzeit und Material den Preis.
Beispielrechnung mit eigenen Annahmen (keine Marktdaten): Dasselbe Drehteil wie in CNC-Fräsen und Drehen: Was kostet ein Teil?. Stundensatz 90 €, beim ersten Auftrag 3 Stunden für Programmieren, Rüsten und Erstteilprüfung, 6 Minuten Bearbeitung und 4 € Material je Teil. Einmalkosten: 270 €. Kosten je Teil ohne Einmalkosten: 13 €.
| Losgröße (Annahme) | Rüstanteil je Teil | Stückkosten (Annahme) |
|---|---|---|
| 1 Stück | 270,00 € | 283,00 € |
| 10 Stück | 27,00 € | 40,00 € |
| 25 Stück | 10,80 € | 23,80 € |
| 50 Stück | 5,40 € | 18,40 € |
| 100 Stück | 2,70 € | 15,70 € |
| 250 Stück | 1,08 € | 14,08 € |
| 1.000 Stück | 0,27 € | 13,27 € |
Zwischen 10 und 100 Stück fällt der Stückpreis in diesem Beispiel um mehr als die Hälfte, zwischen 250 und 1.000 Stück nur noch um rund 80 Cent. clean-invoice.com gibt für Feinwerkmechanik an, dass der Stückpreis ab 50 Stück um 40 bis 60 % sinkt (Februar 2026), nennt aber keine Ausgangsmenge. In der Beispielrechnung oben sinkt er von 10 auf 50 Stück um 54 %, vom Einzelstück auf 50 Stück um gut 93 %; die Bezugsbasis bestimmt also die Zahl. Je kürzer die Rüstzeit im Verhältnis zur Zykluszeit, desto früher wird die Kurve flach. Zusätzlich rechnen Fertiger mit Mindestauftragswerten und Materialmindestmengen, etwa einer ganzen Stange oder Tafel.
Was ist ein Rahmenvertrag mit Abrufen und wann lohnt er sich?
Ein Rahmenvertrag mit Abrufen legt Preis, geplante Menge und Bedingungen für einen Zeitraum fest, geliefert wird über einzelne Abrufe. Er lohnt sich, wenn Sie ein Teil wiederkehrend brauchen, den Jahresbedarf grob kennen und weder alles auf einmal abnehmen noch selbst lagern wollen.
Ob die Jahresmenge verbindlich ist, hängt allein vom Vertrag ab. Manche Rahmenverträge nennen sie nur als Prognose, viele Rahmen- und Lieferplanverträge enthalten dagegen Abnahme- oder Freigabepflichten. Lesen Sie diese Stelle genau, bevor Sie unterschreiben. Typische Laufzeiten liegen laut tacto (abgerufen November 2026) bei 1 bis 3 Jahren.
Fortsetzung der Beispielrechnung bei 1.000 Teilen Jahresbedarf. Bei Wiederholaufträgen ist das Programm schon vorhanden; angenommen sind deshalb einmalig 180 € für Programmieren und Erstmusterprüfung (2 Stunden) und je Abruf 90 € für Rüsten mit Erstteilkontrolle (1 Stunde). Der erste Auftrag kostet damit wie oben 270 €.
| Variante (Annahme) | Rüstvorgänge | Einmal- und Rüstkosten je Teil | Stückkosten (Annahme) |
|---|---|---|---|
| 12 Einzelbestellungen à rund 83 Stück | 12 | 1,26 € | 14,26 € |
| 4 Abrufe à 250 Stück | 4 | 0,54 € | 13,54 € |
| 1 Los à 1.000 Stück, Lieferung in Abrufen | 1 | 0,27 € | 13,27 € plus Lagerkosten |
Vier statt zwölf Rüstvorgänge sparen in diesem Beispiel 720 € im Jahr, also 0,72 € je Teil.
Die dritte Variante ist nur dann günstiger, wenn Lagerung, Kapitalbindung und das Risiko einer Zeichnungsänderung beim Fertiger kleiner sind als die eingesparten Rüstkosten. Wer dieses Risiko trägt, regeln die Freigabehorizonte.
Wie funktionieren Fertigungs- und Materialfreigabe?
Freigabehorizonte legen fest, ab wann ein Abruf für Sie verbindlich wird. Üblich sind zwei Stufen: Innerhalb der Fertigungsfreigabe darf der Fertiger produzieren, innerhalb der Materialfreigabe Rohmaterial beschaffen, jeweils auf Ihr Risiko.
| Horizont (Beispielwerte) | Was gilt | Wer zahlt bei Abbestellung |
|---|---|---|
| 0 bis 4 Wochen: Fertigungsfreigabe | Menge und Termin fest, Teile werden gefertigt | Sie zahlen gefertigte und angearbeitete Teile |
| 5 bis 8 Wochen: Materialfreigabe | Material wird beschafft, Fertigung noch offen | Sie zahlen das beschaffte Material |
| ab 9 Wochen: Vorschau | Planzahlen ohne Verbindlichkeit | keine Kosten |
Die Wochenwerte sind Beispiele; passen Sie sie an Materialwiederbeschaffungszeit und Durchlaufzeit an. Wer Automobilkunden beliefert, kennt diese Logik aus Lieferabruf und Feinabruf, klassisch nach VDA 4905 und 4915, heute meist als EDI-Nachricht, etwa nach VDA 4984; auch dort stehen Fertigungs- und Materialfreigabe im Abruf. Halten Sie außerdem fest, wie oft Sie die Vorschau aktualisieren, wie weit Abrufe innerhalb der Fertigungsfreigabe schwanken dürfen und was mit Restbeständen bei Vertragsende oder Zeichnungsänderung passiert.
Welche Klauseln gehören in einen Rahmenvertrag?
In einen Rahmenvertrag für Zeichnungsteile gehören mindestens Regelungen zu Menge, Freigabehorizonten, Laufzeit, Preisanpassung, Werkzeugeigentum und Kündigung. Die Übersicht ist eine Checkliste für das Lieferantengespräch und ersetzt keine Rechtsberatung.
| Klausel | Was Sie regeln sollten |
|---|---|
| Menge | Jahresmenge als Prognose oder verbindlich, Mindest- und Höchstmenge je Abruf |
| Freigabehorizonte | Fertigungs- und Materialfreigabe, Schwankungsbreite, Restmengen |
| Laufzeit | Beginn, Ende, Verlängerung, Dauer der Preisbindung |
| Preisgleitklausel | Kostenanteile, Index, Basiszeitpunkt, Anpassungsrhythmus, Nachfolgeindex |
| Werkzeugeigentum | Eigentum, Kennzeichnung, Wartung, Versicherung, Herausgabe |
| Kündigung | Fristen, außerordentliche Gründe, Behandlung offener Abrufe |
Preisgleitklausel: Welche Preisgleitklauseln zulässig sind, regeln das Preisklauselgesetz und das AGB-Recht; lassen Sie die Formulierung juristisch prüfen. Gängig ist, nur den tatsächlichen Material- oder Energieanteil an einen Index zu koppeln, nicht den ganzen Preis. Üblich ist der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte des Statistischen Bundesamts. Das Güterverzeichnis führt etwa GP 24 42 „Aluminium und Halbzeug daraus“, GP 35 11 „Elektrischer Strom“ und für Stahl Positionen unter GP 24 10 (Statistisches Bundesamt, Fachserie 17 Reihe 2, Oktober 2022). Prüfen Sie die Nummer in der aktuellen GP-Ausgabe und legen Sie fest, welcher Nachfolgeindex bei einer Umstellung gilt.
Werkzeugeigentum: Wer ein Spritzguss-, Stanz- oder Umformwerkzeug bezahlt, wird nicht automatisch Eigentümer. Vereinbaren Sie den Eigentumsübergang ausdrücklich, dazu Kennzeichnung am Werkzeug, Inventarliste, Versicherung und ein Herausgaberecht. Das gilt für Preisgleitklausel und Werkzeugeigentum gleichermaßen, gerade bei Spritzguss-Lieferanten: Keine Rechtsberatung; Einzelfall anwaltlich prüfen lassen.
Wie bekommen Sie Kleinserien trotzdem wirtschaftlich?
Kleinserien werden wirtschaftlich, wenn Sie die Einmalkosten auf mehr Teile verteilen oder sie gar nicht erst entstehen lassen. Vier Hebel lassen sich kombinieren.
- Bedarfe bündeln: wenige größere Abrufe statt vieler kleiner, ähnliche Varianten an denselben Betrieb.
- Standardmaterial wählen: gängige Werkstoffe und Abmessungen vermeiden Materialmindestmengen und Reststücke.
- Toleranzen prüfen: Jede unnötig enge Passung kann Arbeitsgänge und Prüfaufwand kosten.
- Verfahren passend zur Stückzahl: Für sehr kleine Mengen ist ein Verfahren ohne eigenes Werkzeug oft günstiger, siehe Verfahrenswahl nach Stückzahl.
Betriebe, die auf Prototypen und Kleinserien eingestellt sind, rüsten oft schneller um als reine Serienfertiger. Fragen Sie gezielt danach.
Wie fragen Sie Mengen und Abrufe richtig an?
Fragen Sie Mengen in drei Größen an: Menge je Abruf, Jahresbedarf und Abrufrhythmus. Nur so rechnen alle Anbieter mit denselben Rüstzyklen und Sie erhalten vergleichbare Angebote.
- Mengenstaffel: zum Beispiel 50, 250 und 1.000 Stück, damit Sie sehen, wo die Kurve flach wird.
- Einmalkosten getrennt: Rüsten, Programmierung, Vorrichtungen, Werkzeuge und Erstmuster als eigene Positionen.
- Freigabehorizonte: Nennen Sie, welche Fertigungs- und Materialfreigabe Sie anbieten können.
- Prognosequalität: fest, wahrscheinlich oder grobe Schätzung.
- Änderungsrisiko: Hinweis, wenn die Zeichnung noch geändert werden kann.
Welche technischen Angaben dazugehören, beschreibt Anfrage an Lohnfertiger: Diese 9 Angaben brauchen Sie.
Wo stellen Sie eine solche Mengenanfrage?
Zuliefererverbund ist ein Verzeichnis für industrielle Fertigungsbetriebe, betrieben von der JMVision GmbH in Balingen; laut Sitemap vom 04.11.2026 umfasst es 138 Betriebsprofile und 49 Branchenseiten (Sitemap, 04.11.2026), etwa in der CNC-Zerspanung. Die Suche ist ohne Registrierung möglich, Anfragen sind kostenlos, eine Vermittlungsprovision gibt es nicht (FAQ). Die Anfrage mit Beschreibung oder Zeichnung stellen Sie über das Formular; sie geht an maximal drei passende Betriebe, Rückmeldungen kommen direkt vom Betrieb. Jahresbedarf, Abrufrhythmus und Freigabehorizonte schreiben Sie in die Beschreibung.
Häufige Fragen
Warum verlangt ein Lohnfertiger eine Mindestbestellmenge? Weil Rüsten, Programmieren und Erstmusterprüfung pro Auftrag einmal anfallen, egal wie viele Teile folgen. Bei sehr kleinen Losen trägt jedes Teil einen großen Anteil dieser Einmalkosten. Die Mindestmenge sichert dem Fertiger, dass sich der Rüstaufwand verteilt und die Maschine nicht für wenige Teile umgebaut wird.
Ab welcher Losgröße sinkt der Stückpreis kaum noch? Das hängt vom Verhältnis zwischen Rüstzeit und Bearbeitungszeit je Teil ab. Ist das Rüsten lang und die Zykluszeit kurz, lohnen größere Lose deutlich länger. In der Beispielrechnung dieses Beitrags flacht die Kurve ab einigen hundert Teilen ab, danach bestimmen Maschinenzeit und Material den Preis.
Wer zahlt, wenn ich Abrufe aus einem Rahmenvertrag storniere? Das regelt der Vertrag über Freigabehorizonte. Üblich ist, dass Sie innerhalb der Fertigungsfreigabe die gefertigten Teile und innerhalb der Materialfreigabe das beschaffte Material bezahlen, auch wenn Sie später abbestellen. Fehlt eine solche Regelung, ist Streit wahrscheinlich. Lassen Sie die Klausel juristisch prüfen.
Wem gehört das Werkzeug, wenn ich es bezahlt habe? Nicht automatisch Ihnen. Vereinbaren Sie den Eigentumsübergang ausdrücklich und regeln Sie Kennzeichnung, Wartung, Versicherung und Herausgabe. Wie die Klausel wirksam formuliert wird, auch für den Fall einer Insolvenz des Fertigers, klärt ein Anwalt.
Mengenstaffel statt Einzelmenge anfragen: Geben Sie Stückzahl je Abruf, Material und Wunschtermin an und nennen Sie Jahresbedarf, Abrufrhythmus und Freigabehorizonte in der Beschreibung. So rechnen alle angefragten Betriebe mit denselben Rüstzyklen. Mengenanfrage an bis zu drei Betriebe stellen
Silas Werger · Autor · Stand: 04.11.2026 · Recherche und Entwurf mit KI-Unterstützung, inhaltlich geprüft und verantwortet vom Autor
Häufige Fragen
Warum verlangt ein Lohnfertiger eine Mindestbestellmenge?
Ab welcher Losgröße sinkt der Stückpreis kaum noch?
Wer zahlt, wenn ich Abrufe aus einem Rahmenvertrag storniere?
Wem gehört das Werkzeug, wenn ich es bezahlt habe?
Quellen
- clean-invoice.com, Feinwerkmechanik Kosten 2026: Preise und Beispiele · 2026-02-11
- Preisklauselgesetz (PrKG) · abgerufen 2026-11
- Statistisches Bundesamt, Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte · abgerufen 2026-11
- Statistisches Bundesamt, Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte, Fachserie 17 Reihe 2, lange Reihen · 2022-10-20
- tacto, Einkäufer-Lexikon: Rahmenvertrag · abgerufen 2026-11
- Zuliefererverbund, Startseite und FAQ · 2026-11-04
- Zuliefererverbund, Sitemap · 2026-11-04